hellblaues Haus, Lutisbach, Vogelperspektive

Vom Kinderheim zum Lebensraum
für junge Menschen

Die Gründung des Kinderheims Lutisbach

Anfangs der 1940er Jahre wurden Waisen- und Armenhäuser ausschliesslich von der römisch-katholischen Kirche betrieben. Der Zwist mit der reformierten Kirche war gross. Vater Rupflin von Zizers, Gründer der Kinderheime «Gott hilft» in Graubünden und engagiertes Mitglied der Heilsarmee, gab den Anstoss zur Gründung eines Heims für evangelische Kinder.

Am 6. Juni 1944 wurde die Stiftung «Evangelisches Kinderheim in der zentralschweizerischen Diaspora» mit 10 Aufsichtsratsmitgliedern in Luzern errichtet. Ein Stiftungsratsmitglied machte die Mitglieder auf die Pension «Villa Bernhard» in Oberägeri aufmerksam, welche während des 2. Weltkrieges als Erholungsheim für Frauen genutzt wurde. Die Stiftung kaufte das Gebäude und nannte es Lutisbach. Im Juli 1948 bezogen die ersten sieben Kinder ihr neues Daheim.

Anfangs kümmerten sich die Schwestern der Diakonischen Schwesternschaft Braunwald um die Kinder. 1949 lebten bereits 20 Kinder im voll besetzten Lutisbach. Als die Schwestern nach Braunwald zurückberufen wurden, übernahm Hanni Richner die Leitung, eine ehemalige Schülerin und mittlerweile selbst Lehrerin. Das Lutisbach öffnete sich im Laufe der Zeit für Kinder und Jugendliche aller Religionen und Kulturen.

Vom Kinderheim zur professionellen Institution

Ab 1977 führte das Ehepaar Urs und Christine Mosimann-Streit das Lutisbach. 1984 wurde erstmals ein männlicher Praktikant eingestellt, ab 1997 hielt der Computer im Lutisbach Einzug.

Die Indikationen für die Zuweisungen wurden im Laufe der Zeit immer anspruchsvoller und komplexer. Es hatten nicht mehr ausschliesslich Waisen Bedarf, in ihrer Entwicklung begleitet und gefördert zu werden: familiäre Umstände, Herausforderungen in der Lebenswelt und individuelle Entwicklungsthemen machten den Aufenthalt in einem Heim notwendig. Die Komplexität der Umstände nahm zu und erforderte eine stetige Weiterentwicklung der Professionalität innerhalb der Institution. Auch die interdisziplinäre Zusammenarbeit mit den Eltern, verschiedenen Fachstellen, Behörden und dem Kanton rückte immer mehr ins Zentrum.

Im Jahr 2010 wurde das erste pädagogische Konzept im Lutisbach erstellt und ist am 1. Januar 2011 in Kraft gesetzt worden. Seit dem ist die Institution IVSE (Interkantonale Vereinbarung für soziale Einrichtungen) anerkannt, so dass ab diesem Zeitpunkt auch Kinder und Jugendliche von ausserhalb des Kantons Zug aufgenommen werden konnten.

Im Frühjahr 2018 eröffnete das Lutisbach zusätzlich eine Aussenwohngruppe «Room 4 U» im Ländli in Oberägeri. Das Angebot richtet sich primär an junge Erwachsene, welche die obligatorische Schulzeit abgeschlossen haben und in ihrer weiteren Lebensplanung auf Unterstützung angewiesen bleiben. Ebenso dient es als Anschlusslösung an die Strukturen des Lutisbach.

Lebensraum für junge Menschen

Heute zeigt sich das Lutisbach, als lernende Institution und versteht sich als Lebensraum für junge Menschen. Eine professionelle, sozialpädagogische Einrichtung der stationären Kinder- und Jugendhilfe, deren Mitarbeitende gemeinsam mit den Kindern, Jugendlichen und junge Erwachsenen herausfinden, was Bestärkung und Befähigung bedeuten kann. Die jungen Menschen erleben sich als wertvolle Individuen und werden durch eine haltgebende Struktur in einem sicheren Lebensraum gefördert, um nach ihrer Zeit im Lutisbach als «(zweites) Daheim auf Zeit» ihrem eigenen Lebensentwurf ein Stück näher zu sein.

Haus Lutisbach damals, historisches schwarz-weiss Bild

Jubiläum

2024 darf die Stiftung Lutisbach ihr 80-jähriges Jubiläum feiern